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  Caritas: Aids ist in Russland ein "Riesenproblem" 19.7.10
Moskauer Caritas-Projektleiterin Dolgikh im "Kathpress"-Interview

In Russland kommen immer mehr Babys mit HIV/Aids zur Welt. Diese Kinder bleiben in vielen Fällen in den Geburtskliniken zurück und starten als Aidswaisen gleich dreifach stigmatisiert ins Leben: alleingelassen nach der Geburt; aus sozial schwierigen Verhältnissen stammend; mit einem unheilbaren Virus infiziert. Darauf wies am Montag in Wien bei dem Aidskonferenz-Workshop "Left at the Maternity Hospital - Children and HIV in Eastern Europe" die Moskauer Caritas-Aidsprojekt-Verantwortliche Oksana Dolgikh hin.

Dolgikh betreut Kinder in vier Einrichtungen - zwei Spitälern und zwei Kinderheimen. Ihre Mütter - meist Drogenabhängige, Ausländerinnen oder Sexarbeiterinnen - hätten sie gleich nach der Geburt alleingelassen. Den Kindern fehlten Zärtlichkeiten. Das Personal und Mitarbeiter von Nichtregierungsorganisationen - die Caritas seit 13 Jahren und seit drei Jahren auch die orthodoxe Nächstenhilfeorganisation - seien die einzigen Bezugspersonen der Kleinen.

Der Umgang mit HIV-Infizierten und Aidskranken ist für Russland noch neu. Nirgendwo, nicht einmal im Afrika südlich der Sahara, verbreitet sich nach Angaben von Experten die Epidemie so rasend schnell wie in Osteuropa.

"Bis vor einigen Jahren haben die Russen gedacht, die Sache erledigt sich von allein", betonte Dolgikh. Aids galt als Problem von Randgruppen: Drogenabhängigen, Prostituierten und Homosexuellen. Die Kinder, die in Krankenhäusern dahinvegetierten, würden sterben, bevor sie das Schulalter erreichten, hätten viele gedacht.

Die Isolation der Kinder in Spitälern und Heimen trägt wesentlich zu ihrem Entwicklungsrückstand, ihrer Diskriminierung und Stigmatisierung bei. "Die russische Bevölkerung ist sehr intolerant in Bezug auf HIV/Aids", stellt Dolgikh fest. Fehlinformationen und mangelnde Aufklärung der Bevölkerung seien dafür mitverantwortlich.
 

(red )

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